Seligenstadt bald auch offiziell „Einhardstadt“?


Der Kenner und Seligenstadt-Liebhaber nennt die Stadt in einem Atemzug mit der Person Einhard. Das hat seinen guten Grund, denn ohne diesen berühmten Gelehrten der Karolingerzeit und Vertrauten Karls des Großen wäre sie nicht „selig“. Die von ihm initiierte Überführung der Reliquien der Märtyrer Marcellinus und Petrus hat aus Obermuhlinheim das heutige Seligenstadt und aus der eher unbedeutenden Ortschaft am Main, eine bekannte Pilgerstätte gemacht. Einhard gründete das Benediktinerkloster und ließ die Basilika bauen, bis heute das Wahrzeichen der Stadt. Seine Visionen, sein Handeln, sein Weitblick und seine Klugheit wirken bis heute nach. Vom Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert!

In Seligenstadt wird Einhard als Mitbürger durch die Zeit verstanden. Daher gibt es das Einhardhaus, den Einhard Rad- und Wanderweg, den Einhardpreis für herausragende Biografen, verliehen von der Einhard-Stiftung in Anlehnung an Einhards Biografie Karls des Großen, sowie die Einhard-Gesellschaft, die mit unterschiedlichen Publikationen das Leben und Wirken Einhards (Acta Einhardi Band I bis III)  immer wieder aufgreift. Im Jahre 2008 war Seligenstadt Austragungsort eines großen, international besetzten Einhardsymposiums und im Jahr 2015 beging Seligenstadt zusammen mit Michelstadt-Steinbach das große Einhard-Jubiläumsjahr, erste urkundliche Erwähnung vor 1200 Jahren. Eigens für das Jubiläumsjahr hatte Seligenstadt eine Einhard-Sonderbriefmarke herausgebracht.

Nun soll der Name Seligenstadts auch offiziell mit Einhard verbunden werden. Daher möchte Bürgermeister Dr. Daniell Bastian beim Hessischen Innenministerium beantragen, dass Seligenstadt den offiziellen Zusatz „Einhardstadt“ verliehen bekommt. Nach § 13 der Hessischen Gemeindeordnung können Städte besondere Bezeichnungen, die auf der geschichtlichen Vergangenheit, der Eigenart oder der Bedeutung der Gemeinde beruhen, durch den Innenminister verliehen bekommen. So wie etwa die Städte Hanau und Darmstadt sich offiziell „Hanau Brüder-Grimm-Stadt“ und „Darmstadt Wissenschaftsstadt“ nennen, wird nach dem Willen Bastians Seligenstadt zukünftig „Seligenstadt Einhardstadt“ heißen.

Unterstützung erfährt der Bürgermeister bei seinem Vorhaben durch die Einhard-Stiftung, vertreten durch den Vorsitzenden des Präsidiums Aloys Lenz, MdL a.D., und die Einhardgesellschaft um die Vorsitzende Staatsministerien a.D. Dorothea Henzler und ihren Stellvertreter Thomas Laube. Auch erste Gespräche mit den Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung seien sehr positiv verlaufen, so der Bürgermeister. „Ich freue mich sehr, dass ich mit Herrn Lenz, der ähnliche Vorhaben bereits im Main-Kinzig-Kreis begleitet hat, und Frau Henzler so prominente Mitstreiter für das Vorhaben gefunden habe. Wir wollen durch den Namenzusatz einen weiteren Beitrag leisten, um das Erbe Einhards zu bewahren und noch stärker mit unserer Stadt zu verbinden“, so Bürgermeister Dr. Daniell Bastian.

Die weitere Planung sieht vor, bis zum Frühjahr einen aussagekräftigen Antrag zu erstellen, der nach Befassung der städtischen Gremien beim Innenministerium eingereicht werden soll.

Einhard kommt in der frühmittelalterlichen Geschichte des Odenwald-Untermain-Gebiets eine herausragende Bedeutung zu. Er war einer der berühmtesten Gelehrten der Karolingerzeit; Künstler, Architekt, Politiker, vielseitig talentierter Intellektueller und Klostergründer. Aufgrund seines universellen Wissens war er geschätzter Ratgeber Karls des Großen, später auch sein Biograph. Seine „Vita Karoli Magni“ gilt bis heute als Meilenstein der biografischen Literaturgeschichte. Im Jahre 815 bekam er von Karls Sohn, Ludwig dem Frommen, als Dank für seine Verdienste am väterlichen Hof das damalige Obermuhlinheim, das spätere Seligenstadt, geschenkt. Dank dieser Schenkung wurde Seligenstadt damit vor über 1200 Jahren bereits urkundlich erwähnt.

 

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