Seligenstädter Demenzlotsen trafen sich zum dritten Erfahrungsaustausch


Demenz stellt nicht nur die Erkrankten und ihre Angehörigen, sondern auch die Gesellschaft vor Herausforderungen. Demenz ist nicht heilbar, der Verlauf nicht aufhaltbar, jedoch kann er positiv beeinflusst werden. Gerade am Anfang der Erkrankung ist es wichtig, die Selbstständigkeit und Autonomie so lange wie möglich zu erhalten und zu fördern. Das Erfahren und Erleben des über Jahre gelebten Alltags ist eine wichtige Säule im Umgang mit der Krankheit.

älteres Paar auf Schaukel

Im Jahr 2018 hat die Stadt Seligenstadt unterstützt durch Bürgermeister Dr. Daniell Bastian Schulungen zu Demenzlotsen durch die Malteser organisiert mit den Zielen, die Betroffenen in die Gesellschaft einzugliedern, sie in ihrer Selbstständigkeit zu fördern, die Angehörigen zu unterstützen und die Öffentlichkeit, den Einzelhandel und das Gewerbe zu sensibilisieren. Jährlich findet seither ein Netzwerktreffen zum Austausch und zur Weiterbildung statt, um die Nachhaltigkeit und Qualität sicherzustellen.

Dieser Tage lud die städtische Seniorenberaterin Anke van den Bergh gemeinsam mit den Maltesern zum 3. Netzwerktreffen der Demenzlotsen ins Bürgerhaus Riesen ein. Zu Beginn wurde an alle Menschen gedacht, die in den vergangenen 12 Monaten verstorben sind, insbesondere an Markus Gür, der sich für die Yogaschule Namasté zum Demenzlotsen ausbilden ließ und im März dieses Jahres unerwartet verstorben ist.

Daniela Herda, Dozentin des Malteser Hilfsdienstes, schulte die Anwesenden zu den Inhalten „Umgang mit herausfordernden Reaktionen/mit herausforderndem Verhalten von Menschen mit Demenz“. So konnte das Hintergrundwissen und der Umgang mit betroffenen Menschen vertieft werden. Inzwischen gemachte Erfahrungen wurden ausgetauscht und lebhaft diskutiert.

Gerade in der Pandemie hat sich die Situation von Menschen mit Demenz sehr verschärft. War bereits die Fähigkeit zur Kommunikation eingeschränkt, erschweren nun das Tragen eines Mund-Nasenschutzes, die Abstandsregelung und reduzierte Kontaktmöglichkeiten den Alltag. Gesprochenes wird durch die Maske nicht verstanden oder gehört, der Betroffene fühlt sich nicht angesprochen. Die Maske erzeugt Distanz, die Mimik ist nicht sichtbar, dieses wiederum erzeugt Angst und Aggression. Hinzu kommen beim Tragen des Mund-Nasen-Schutzes das Anlaufen der Brille und hierdurch eine kurzzeitige Seheinschränkung und Atemprobleme, Symptome die ebenfalls ängstigen.

Was kann ich also tun, wie kann ich helfen? Diese Fragen wurden erörtert. Es sind die einfachen Dinge, die hier am besten unterstützen: Vermitteln von Normalität und Gelassenheit, Vormachen und Mitmachen-lassen, keinen Druck ausüben, Zeit lassen und Humor bewahren, denn damit geht bekanntlich alles besser.

Am Ende des Netzwerktreffens waren sich die Demenzlotsen einig, dass diese Treffen wichtig sind, um Gelerntes aufzufrischen, sich auszutauschen, Sicherheit im Umgang mit betroffenen Menschen zu bekommen und in Kontakt zu bleiben.

„Ich danke den Maltesern und allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für ihr Engagement, so dass sich Betroffene und Angehörige durch die ihnen entgegengebrachte Empathie in Seligenstadt wohlfühlen können. Für 2022 planen wir bereits ein weiteres Netzwerktreffen“, resümiert Bürgermeister Dr. Daniell Bastian.

Das Malteser Demenzlotsen-Projekt bezieht sich auf das Silviahemmet-Konzept, das 1996 von Königin Silvia von Schweden ins Leben rief, als ihre Mutter Alice Sommerlath an Demenz erkrankte. Die Würde des Erkrankten steht im Mittelpunkt, jeder Mensch ist einzigartig und hat das Recht auf Teilhabe.

Netzwerktreffen Demenzlotsen 2021