Ein halbes Jahrhundert Mainfähre „Stadt Seligenstadt“


Ein eher unscheinbares, in Bronze gehaltenes Widmungsschild am Steuerhaus verrät die offizielle „Geburtsstunde“ der Seligenstädter Mainfähre und lässt in diesem Jahr besonders aufhorchen: Die Übergabe der Mainfähre fand vor genau 50 Jahren statt. Im Jahr 1971 hatte sich die Stadt Seligenstadt entschlossen, die Fähre in Eigenregie zu betreiben und am Sonntag dem 16. Mai wurde dann mit mehreren hundert Besuchern die 28 Meter lange, 8,40 Meter breite und zum Netto-Festpreis von 250.000 DM erworbene Fähre auf den Namen „STADT SELIGENSTADT“ feierlich getauft.

Bürgermeister Dr. Daniell Bastian und die Fährmannschaft
"Ich bedanke mich bei der Fährmannschaft und den Stadtwerken für ihr Jahrzehnte langes Engagement", so Bürgermeister Dr. Daniell Bastian. Dem ist es zu verdanken, dass unsere Fähre seit einem halben Jahrhundert unfallfrei und ohne längere Ausfallzeiten fährt.“



Die kostenfreien Überfahrten wurden gut angenommen

Pandemiebedingt konnte keine große Jubiläumsfeier stattfinden - als besondere Geburtstagsaktion brachte die Fähre ihre Gäste am Sonntag dem 16. Mai stattdessen ganztägig kostenfrei über den Main.

Auch nach 50 Jahren ist das Fährschiff in tadellosem Zustand. Kürzlich erst wurde es für rund 80.000 € instandgesetzt und hat die Betriebserlaubnis für weitere fünf Jahre, also bis 2025, erhalten.

Zum Anlegeplatz am Fuße der Altstadt zieht es ganzjährig zahlreiche Menschen. Egal, ob sie mit der Fähre übersetzen und damit automatisch auch das Bundesland wechseln, oder ob sie nur sitzend auf einer der Parkbänke eisschleckend den Überfahrten zusehen. Die Fähre ist immer eine Attraktion. Aber natürlich auch ein wertvolles Verkehrsmittel. Große Umwege sparend bringt sie Fußgänger, Rad- und Motorradfahrer sowie Autos nebst Insassen sicher von Ufer zu Ufer, an das Hessische und an das Bayrische.

Fähre mit Glaabsbräu Laster


Die Geschichte der Fähre reicht weit in die Vergangenheit. Bereits im neunten Jahrhundert existierte eine ständige Verbindung über den Main. Zum damaligen Zeitpunkt veranlasst durch das Seligenstädter Kloster. Im Jahr 1868 wurden die Rechte und Privilegien zur Mainfahrt für 4.000 Gulden an die Stadt übertragen, der Fährbetrieb allerdings an den Höchstbietenden verpachtet. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg entschloss sich die Stadt, die Fähre in Eigenregie zu betreiben. Im Jahr 1971 wurde sie so in Betrieb genommen, wie sie heute augenscheinlich bekannt ist. Tatsächlich aber hat sich einiges geändert. So wurde beispielsweise im Jahr 2009 die Handsteuerung auf eine hydraulische Steuerung via Joystick umgestellt und 2017 auf den Einschichtbetrieb. Seitdem wird die Fähre nur noch von zwei Fährleuten betrieben. Der Fährtarif ist seit gut zehn Jahren unverändert.

Noch in diesem Jahr ist die Umstellung auf ein elektronische Abrechnungssystem geplant, so dass künftig neben einer direkten Abrechnung auch die Kartenzahlung mittels Girocard möglich sein wird. 

Aktuell ist die Fähre täglich von 9.45 Uhr bis 19.10 Uhr und in den Wintermonaten bis 17.00 Uhr im Einsatz.