In der vergangenen Woche war die Stadtbücherei in Seligenstadt Teil des Starke Stücke-Festivals und öffnete ihre Türen für die besondere Produktion einer schwedischen Theatergruppe. Das Stück „Ich denke an dich“, ein poetisch angelegter Audiowalk, lud die Teilnehmenden dazu ein, sich selbst als handelnde Figuren innerhalb einer Ge-schichte zu erleben.
Ein vielfältiges Publikum erlebt die Bücherei neu
An drei aufeinanderfolgenden Vorstellungen nahmen Schülerinnen und Schüler der Einhardschule sowie der Merianschule teil. Am Nachmittag öffnete das Format zusätzlich für ein interessiertes Publikum aller Altersgruppen. Viele der Besucherinnen und Besucher entdeckten die ansonsten vertrauten Räume der Bücherei aus einer völlig neuen Perspektive, da der Audiowalk sie zu Orten führte, die im Alltag häufig übersehen werden, und sie mit leisen Stimmen und gedanklichen Impulsen empfing.
Ein Stück über Bücher, Erinnerung und die Verantwortung des Bewahrens
Der Audiowalk verband verschiedene Stationen miteinander, sodass sich die Teilnehmenden Schritt für Schritt zu einem bewussten Teil der Performance entwickelten. Die Inszenierung rückte die Bedeutung von Büchern in den Mittelpunkt, die als Träger von Wissen, Fantasie und persönlicher Identität verstanden wurden. Gleichzeitig lenkte das
Stück den Blick auf die besondere Beziehung zwischen Lesenden und den Autorinnen und Autoren eines Werkes, deren Gedanken und Geschichten im Inneren der Lesenden weiterwirken, sobald ein Buch geöffnet wird.
Gleichzeitig erinnerte das Stück an historische Brüche, insbesondere an die immer wiederkehrenden Bücherverbrennungen, und machte deutlich, wie verletzlich dieses kostbare Kulturgut ist.
Rettet ein Wort!
Ein zentrales Element des Audiowalks war die Aufgabe, ein einziges Wort aus einem Buch auszuwählen und dieses Wort zu retten. Die Teilnehmenden sollten es sich merken, anschließend notieren und schließlich an einem selbst gewählten Ort in der Bücherei verstecken. Durch diese einfache, aber eindrucksvolle Handlung entstand ein imaginäres Netzwerk aus vielen kleinen, geretteten Wörtern, das sinnbildlich zeigte, wie Sprache überdauert, wenn Menschen sie bewusst bewahren und weitertragen.
Positive Rückmeldungen und Ausblick
„Die Reaktionen auf die Aufführungen fielen durchweg positiv aus“, so Bürgermeister Dr. Daniell Bastian über das erfolgreiche Projekt. „Viele Besucherinnen und Besucher haben den Audiowalk als eine besondere und sehr persönliche Erfahrung beschrieben, die ihnen einen neuen Blick auf Literatur, Erinnerungskultur und ihre eigene Rolle als Lesende eröffnet habe. Insgesamt konnte die Stadtbücherei mehr als fünfzig Teilnehmende verzeichnen.“
Mit dieser gelungenen Teilnahme am Starke Stücke Festival wurde ein stimmungsvoller Auftakt geschaffen, der bereits jetzt Vorfreude darauf weckt, im kommenden Jahr erneut Teil des Festivals zu sein.

