Städtebauliches Entwicklungskonzept „Bleiche und Stadtbereich zwischen Jahnstraße und Steinweg“


Die geografische Lage von Seligenstadt zwischen Main im Osten und wertvollen Waldflächen in Westen, welche einen großen Teil der Lebensqualität für unsere Einwohner darstellt, setzt aus städtebaulicher Sicht die Grenze für eine weitere bauliche Entwicklung der Stadt fest. Außerdem führen die Naturschutzgebiete „Schwarzbruch“ und „Pechgraben“ im Norden und die Landschaftsschutzgebiete „Mainaue“ im Osten und „Landkreis Offenbach“ im Süden und Südwesten dazu, dass die Stadt Seligenstadt an die Grenze der baulichen Entwicklung gestoßen ist. Daher liegt die wesentliche Aufgabe der Stadtplanung darin, die vorhanden innenstädtischen Potenziale zu erkennen und zu optimieren.

Eine der wenigen freien Flächen, das ehemalige Gelände des Jahnsportplatzes, ist bereits seit Jahren eines der zentralen Planungsthemen in der Öffentlichkeit, bei den politischen Gremien und in der Verwaltung.

Nach einer ausführlichen fachlichen Untersuchung und Bürgerbeteiligung sind in den ersten, konkreten städtebaulichen Entwurf die Vorhabenpläne der Konrad-Adenauer-Schule, das Gutachten „Turn- und Sporthallenbedarf Seligenstadt“, die Entwicklungsziele des städtebaulichen Rahmenplanes, die Ergebnisse der Studentischen Arbeiten der Hochschule Geisenheim University sowie des Tagesworkshops und der Bürger-Planungswerkstatt und das Verkehrskonzept Kapellenstraße und die vorhandenen städtebaulichen Konzeptideen eingeflossen. Die ausführlichen Vorplanungen haben sehr schnell zur erkennen gegeben, dass alle Ideen und notwendigen Funktionen und Nutzungen nicht paralell auf der zur Verfügung stehenden Fläche realisiert werden können.

Planerin Karin Begher bei der Konzeptvorstellung Jahnsportplatz


Die Herausforderung liegt darin, Prioritäten zu setzen, die Nutzungen und die dafür notwendigen Gebäuden in einem urbanen Quartier maßstäblich zueinander unterzubringen

Der erste vorliegende städtebauliche Entwurf umfasst die Bleiche und die Fläche zwischen Jahnstraße und Steinweg.

Das primäre Leitbild ist die Schaffung eines Grünzugs von der Bleiche bis zum Stadtwerkegelände und in Fortschreitung der Planung bis zum Mainufer und eine optimale bauliche Ausnutzung der restlichen Flächen. Die Konzeptbausteine mussten wegen des vielseitigen Nutzungsbedarfs in Funktion und Gestaltung gegliedert und gleichzeitig ökologisch und verkehrstechnisch miteinander verbunden werden.

Das ökologische Vernetzungselement und der innenstädtische Grünzug sollen durch unterschiedliche Gestaltungen gegliedert werden und abwechslungsreiche Nutzungsschwerpunkte beinhalten. Während die Bleiche weiterhin einen sehr öffentlichen Charakter mit Nutzungsangeboten für die Gesamtbevölkerung haben soll, können in den anderen Bereichen auch Angebote für die angrenzenden Nutzungen gemacht werden. Die Hauptzielsetzung ist die Schaffung einer durchgehenden Grünverbindung bis zum Mainufer, wobei die Fläche des Stadtwerkegeländes und das Mainufer sehr repräsentative Ansprüche eines urbanen Freiraums erfüllen müssen. Gleichwohl sollte es ein erkennbares Motiv geben, das einen Zusammenhang der verschiedenen Bereiche herstellt. Die geplante Freilegung des Stadtmühlbachs auf dem Bereich Bleiche und die Einführung des Elements Wasser in den urbanen Bereich, könnte im folgenden Bereich des ehemaligen Jahnsportplatzes als „Blaues Band“ (eine lineare Bepflanzung mit lila- bzw. blaublühenden Pflanzen) fortgeführt werden. Dieses Element soll entlang der Jahnstraße an den ehemals vorhandenen Lauf des Stadtmühlbachs zum Main erinnern und als Freiraum für Erholung und Verweilen dienen. Weiterhin sollen durch blühende Hecken geschützt, kleinere Ökosysteme geschaffen werden sowie ruhige Bereiche und Platz zum Aufenthalt im Grünen. Großkronige Bäume als Schattenspender und attraktives Mobiliar sollen auch den Bewohner der unweit liegenden Altstadt dienen.

Auf der restlichen Fläche soll ein neues urbanes Quartier entstehen. Die Reaktivierung der Brache durch den geplanten Geschosswohnungsbau wird dem hohen Wohnbedarf in Seligenstadt entgegenkommen. Es wird bewusst noch eine kleinere Teilfläche zur Diskussion gestellt, die sie mit Gebäuden für seniorengerechtes Wohnen, Kinderbetreuung, Veranstaltung und Kultur belegt werden soll.

Die rückwärtigen Bereiche der an der Grabenstraße liegenden privaten Baugrundstücke sollen in die Gesamtentwicklung einbezogen und als weitere Fläche für Wohnbebauung entwickelt werden.

Ein weiteres wichtiges und in das Konzept integrierbares Thema ist die Versorgung und Tagesbetreuung an der Konrad-Adenauer-Schule. Diese Planungsabsichten bringen auch bauliche Erweiterung auf dem Schulgelände mit sich, sodass dieses Vorhaben sehr gut mit einer Neugestaltung des vorhandenen Spielplatzes, dem Ausbau der Fuß- und Radwegeverbindungen und Schulwege in dem Gesamtkonzept vereinbar ist.

Eine beachtliche Fläche nimmt derzeit eine Vereinssporthalle in Anspruch. Die durchgeführten Untersuchungen haben aufgezeigt, dass die Lage der Sporthalle aus sozialen und sportlichen Gründen sowie aufgrund der guten Erreichbarkeit ein Anziehungspunkt für die sportliche Betätigung vieler umliegender Bewohner ist.  Daher soll der Standort weiter erhalten bleiben. Jedoch ist der bauliche Zustand so schlecht, dass eine Sanierung unwirtschaftlich ist. Um das Vereinsleben in Seligenstadt aufrecht zu erhalten und das Angebot zu erweitern, beabsichtigt die Stadt Seligenstadt eine, auch für Wettkämpfe geeignete, städtische Sporthalle zu errichten. Diese soll mit einer Tiefgarage versehen und in unmittelbarer Nähe des Parkdecks am „Steinheimer Turm“ platziert werden. In diesem Zusammenhang soll das Parkdeck zur ökologischen und optischen Verbindung der Entwicklungsfläche mit dem Stadtwerkegelände und weiter zum Main neue bzw. ergänzende Bepflanzungen erhalten, sodass das Erkennungselement des kleinen innenstädtischen Grünzugs fortgeführt wird.

Mit der Sanierung und anschließenden Aufnahme einer neuen Nutzung im ehemaligen  Badehaus ist ein erster Baustein für die Entwicklung des Stadtwerkegeländes gesetzt. Auch wenn dieser Bereich nicht konzeptionell bearbeitet wurde, wurden durch die Analysen einige Entwicklungsziele festgehalten.

Falls das Motiv des „Blauen Bandes“ für den Grünzug verfolgt wird, sollte es auch auf dem Stadtwerkegelände fortgeführt werden. Um dem Platz eine ansprechende Baukante zur Steinheimer Straße zu geben, erscheint eine geringfügige Bebauung an der Nordseite des Geländes neben dem Vereinshaus als möglich und sinnvoll. Die durch den Abriss des Gebäudes westlich des Vereinshauses entstandene Lücke an der Steinheimer Straße sollte wieder geschlossen werden. Unter Berücksichtigung der unterirdischen technischen Anlagen sollen neue Freiraumkonzepte entwickelt werden, die eine barrierefreie Verbindung zum Main und Festplatz bieten. Derzeit wird angedacht, die städtebaulich anspruchsvollen Lösungen in einem städtebaulichen Wettbewerb zu suchen.

Wie geht es weiter?

Das städtebauliche Konzept wird in den städtischen Entscheidungsgremien beraten. Da sich hier die zwei Varianten in einzelnen Elementen unterscheiden, soll der

favorisierte Entwurf ausgelotet werden. Selbstverständlich können Anregungen und Anträge eingereicht werden, sodass eine endgültige Variante erarbeitet und der Öffentlichkeit vorgestellt werden kann. Hier bleibt noch das Ergebnis weiterer Abstimmungsprozesse mit der Konrad-Adenauer-Schule und dem Kreis Offenbach abzuwarten.

„Wir hoffen spätestens nach der Sommerpause ein endgültiges, durch die Stadtverordnetenversammlung beschlossenes, Entwicklungskonzept zu erhalten, um die informative Planungsphase abzuschließen und mit den verbindlichen Planungsprozessen beginnen zu können“ so Bürgermeister Dr. Daniell Bastian.

 

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